JOHANNA IN KOLUMBIEN

Meine Schule: Institución Educativa República de Israel


Bildung ist die stärkste Waffe, um die Welt zu verändern.
Nelson Mandela


DIE LETZTEN TAGE AUF DER ARBEIT


So schnell ist es dann vorbei. Die letzte Woche ist einfach wie im Flug vergangen.

Donnerstag habe ich den Tag nochmal genutzt um viele Fotos zu machen.

Freitag, mein letzter Tag, hat ganz normal begonnen.

Die Kinder hingen nur ständig alle an mit - teilweise in so großen Trauben, dass ich fast hingefallen wäre.

So gegen 10 Uhr sind wir dann in die Schule der Älteren gegangen, wo die Kleinsten (aus Lauriens Schule) eine Tanz-Aufführung gemacht haben.


Danach haben sich die Kinder versammelt und ich konnte noch ein paar abschließende Worte sagen und meine Geschenke verteilen.

Die Kinder haben mir unglaublich viele Karten mit richtig niedlichen Texten geschrieben. 

Von den Lehrern habe ich bei einem gemeinsamen Mittagessen nach der Schule ein Handtuch mit der Aufschrift "Colombia" und "Johanna" bekommen.

Es war ein schöner, wenn auch tränenreicher Abschied.

Ich bin dankbar für die Zeit, die ich in der Schule verbringen konnte, für all das, was ich dort gelernt habe und für die Liebe und Akzeptanz, die ich das ganze Jahr spüren konnte.


Muchas gracias! 

Mein Englischraum
Mein Englischraum

ARBEIT, DIE ERFÜLLT

Freitag:


Schon seit Anfang der Woche hat der Englischlehrer Probleme mit der Stimme. Er ist zwar im Unterricht anwesend, aber überlässt den Unterricht komplett mir.

In den ersten beiden Stunden hat eine 3. Klasse Englisch. Normalerweise ist diese Klasse sehr laut und kaum zum Mitarbeiten zu bewegen. Heute jedoch kommen sie nach vorne gerannt, streiten sich darum, ihre Antwort an die Tafel zu schreiben.

"Heute hatten sie aber eine richtig gute Disziplin!", sagt David (Englischlehrer) nach der Stunde zu mir.


In der großen Pause bin ich mit meiner blinden Schülerin in den Musikraum gegangen, wo sie mit dem Chorleiter der Schule Musik machen durfte. Ihr Traum ist es, irgendwann in der Schulband Schlagzeug zu spielen.

So glücklich wie in dieser Pause habe ich sie wohl noch nie gesehen!


Auf dem Weg zurück zum Klassenraum spricht mich ein 5.Klässler an, mit dem ich in den letzten 11 Monaten nicht mehr als 3 Worte gewechselt habe. "Schade, dass du bald gehst." Wir unterhalten uns noch eine Weile.


Letzte Stunde mit den Fünfern - Text übersetzen.

Ich dachte nicht, dass wir das so schnell schaffen würden.

Plötzlich arbeiteten Kinder mit, die sich sonst kein bisschen für das Unterrichtsgeschehen interessieren.


"Danke für deine Arbeit.", verabschiedet mich mein Lehrer.


Doch die dankbarste Person in diesem Moment war wohl ich.




NETZWERKPROJEKT


Wir Freiwilligen organisieren ein gemeinschaftliches Projekt, in dem allen Einsatzstellen teilnehmen.

Manche treten mit Kindergruppen auf, andere malen Bühnenbilder oder stellen Schauspieler.

Von meiner Schule nehmen leider nur 2 Schüler teil, da die Organisation mit den Eltern sich als äußerst schwierig herausgestellt hat.

Mein blinder Schüler wird singen und meine Schülerin tanzen.


Das Stück heißt "Mi extraña familia": Der grobe Inhalt ist, dass eine deutsche Frau einen kolumbianischen Mann heiraten wird und sich die Familien zum ersten Mal treffen und dabei konfrontiert sind mit Unterschieden, Vorurteilen und den doch sehr unterschiedlichen Kulturen und Gepflogenheiten.

Kleine Musik-, Gesangs- oder Tanzeinlagen werden in die schauspielerische Handlung integriert.

Präsentieren werden wir alles am 29. August in einem schönen und großen Theater in Cali.


Dieses Wochenende hatten wir die ersten Proben, hier ein paar Bilder:


DIE HAT SCHULE HAT WIEDER BEGONNEN

Es war einfach toll, die Kinder und auch die Lehrer nach den Ferien wieder zu sehen.

Sie haben mir echt gefehlt.


Der Schulalltag hat dann gleich wieder richtig bekommen, denn bald ist die 2. Periode des Schuljahres beendet und den Lehrern fehlen noch Noten. (Insgesamt gibt es 3 Perioden.)


Was mich besonders freut ist, dass der Englischlehrer, mit dem ich die meiste Zeit zusammen arbeite, mir jetzt viel Verantwortung gibt.

Am Anfang der Stunde gibt er mir ein Thema, dass ich dann mit den Schülern selber bearbeiten darf.

Außerdem möchte er jetzt, dass ich die Kinder benote.

Am Anfang hatte ich echt Respekt vor dieser Aufgabe, doch jetzt macht es mir echt Spaß, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen.



Freitag war dann ein echt trauriger Tag in der Schule.

2 Lehrer wurden verabschiedet. Sie durften nicht länger  in der Schule arbeiten. Die Gründe habe ich bis heute nicht genau verstanden. Irgendwie dürfen Lehrer, die eine gewisse Prüfung noch nicht abgelegt haben, einfach ersetzt werden.


Schon am Morgen haben die Kinder und auch die beiden Lehrerinnen (Eine ist meine "ehemalige" Gastmama.) geweint.

Schlimmer wurde es noch als in den letzten beiden Stunden die Verabschiedungen in den jeweiligen Klassen stattfanden.

Viele Kinder waren echt am Boden zerstört und ihre Tränen haben auch mich sehr traurig gemacht.

Gerade an diesem Tag musste ich besonders viel an meinen Abschied denken.


Jetzt bekommen wir einen neuen Lehrer und eine neue Lehrerin.

Ich bin gespannt auf die Zusammenarbeit.


"JEANS-DAY" - LETZTER SCHULTAG VOR DEN FERIEN

Der letzte Schultag vor den 2-wöchigen Ferien stand unter dem Motto "Jeans-Day". Das bedeutet, dass die Kinder nicht mit Uniform kommen müssen, sondern normale Alltags-Kleidung tragen dürfen.

Die Möglichkeit also, zu präsentieren, wie schick man sich machen kann.

Viele Jungs in Hemd, Mädchen mit Kleidchen, kurzen Röcken und sogar einige mit hohen Schuhen - teilweise echt erschreckend, dass die Eltern ihre Kinder in dem Alter so gehen lassen, für Kolumbien jedoch normal, denn der Kleidungsstil ist hier sehr anders:


"Hauptsache auffallen" scheint das Motto der kolumbianischen Mode zu sein. Glitzer und grelle Farben dürfen nicht fehlen. 

Beliebt sind auffällige Hosen, die das Augenmerk auf den Po lenken. Die Hosen sind so geschneidert, dass der Hintern betont und geformt wird.

Oft sieht man Latzhosen, Leggings oder bauchfreie Oberteile.

Die Kombination von Farben und Mustern scheint kaum eine Bedeutung zu haben.

Ein Muss für Frauen sind hohe Schuhe und auffälliger Schmuck.


Die Kinder sahen so verändert aus.

Der Tag begann mit einigen Beiträgen auf der Bühne.

Die Kinder durften singen und tanzen und auch die Lehrer führten ein kurzes Theaterstück auf.

Danach verbrachten die Kinder eine Zeit in den Klassenräumen, wo die jeweiligen Klassenlehrer Aktivitäten vorbereitet hatten.

Während dessen spielte auf der Bühne eine Band von 10. Klässlern, in der mein blinder Schüler spontan mitsingen durfte.

Noch nie habe ich ihn so glücklich gesehen!


Der Tag wurde mit Kuchen und Eis abgeschlossen, das von den Lehrern spendiert wurde.


Jetzt sind 2 Wochen Ferien. Ich halte euch auf dem Laufenden, was ich in dieser freien Zeit anfangen werde!



AUSFLUG INS SCHWIMMBAD

Es ist die letzte Schulwoche vor 2 Wochen Ferien. Grund genug einen Ausflug mit den Kindern ins Schwimmbad zu machen.

Dienstag gingen die 5. Klässler und heute die 3. Klässler, welche ich begleiten durfte.

Mit ca. 90 Kindern und 4 Lehrern sind wir zum Schwimmbad gelaufen. Dort hatten dann die Kinder gute 2 Stunden Zeit Spaß zu haben, zu schwimmen und zu spielen.


Die Kinder hatten sich diese Belohnung nach den letzten Wochen Schule wirklich verdient.

Tests, Zeugnisse und Leistungsstandprüfungen vom "Bildungsministerium" liegen hinter ihnen.


Mir geht es weiterhin sehr gut auf meiner Arbeit.

Ich fühle mich gut aufgehoben und bin sehr glücklich.

Ich habe die Kinder sehr in mein Herz geschlossen!



DEUTSCHE WOCHE

...aus der geplanten Woche wurde eher ein "deutscher Zeitraum".

Durch Lehrervertretungen konnten wir nicht jeden Tag unsere Präsentation halten.

Gestern ist Laurien in den Urlaub geflogen und deswegen ist die "deutsche Woche" jetzt endgültig beendet.


Viele Kinder waren sehr interessiert. Fast alle mochten die deutsche Musik, die wir ihnen vorgestellt haben.

Sie waren erstaunt, wie weit Deutschland von Kolumbien entfernt ist und wie alt viele deutsche Häuser sind.

Das Begeisternste war jedoch die Vorstellung von Schnee und Kälte.


Wir haben versucht unseren Schülern unser Land etwas näher zu bringen: Fußball, die Sprache, das Essen und die wichtigsten Städte.


Es hat Spaß gemacht - uns und hoffentlich auch den Kindern.



MOMENTAUFNAHME

"Ich will dir mal etwas zeigen!"
Behutsam nimmt einer meiner 5.Klässler die Hand seiner blinden Mitschülerin und legt sie auf ein Blatt, in das er vorher mit seinem Bleistift mit viel Druck Buchstaben geschrieben hat.

"Hier, fühl' mal - das ist das J von Johanna und das ist das M von deinem Namen"

Etwas verwirrt streicht sie über das Papier, denn ihre Buchstaben sehen ja völlig anders aus.

"Ich wollte dir nur mal zeigen, wie man Johannas und deinen Namen schreibt."



Ein Lächeln auf den Gesichtern beider Schüler und auch auf meinem.

 


HOMENAJE DE LA BANDERA

Freitag wurde bei uns in der Schule die kolumbianische Flagge geehrt.

Einmal im Jahr findet in allen Schulen dieser Tag statt.

Verbunden damit wurde auch der "Tag des Lehrers" (eigentlich am 15.5.) nachgefeiert und die besten Schüler jeder Klasse wurden geehrt.


Die 5. Klässler haben 2 Lieder gedichtet, in welchem jedem Lehrer eine Strophe gewidmet wurde - auch mir, darüber habe ich mich richtig gefreut.

Es gab Karten für jeden Lehrer und eine Schülerin hat als Dankeschön allen Lehrern Muffins gebacken.

Natürlich wurde auch die Nationalhymne und die Schulhymne gesungen.


Die Sonne hat mit mir und den Kindern um die Wette gestrahlt - ein echt schöner Tag!

Auszeichnung der Klassenbesten durch eine Anstecknadel mit der kolumbianischen Fahne
Auszeichnung der Klassenbesten durch eine Anstecknadel mit der kolumbianischen Fahne
das Lied der 5. Klässler
das Lied der 5. Klässler

DER STREIK IST VORBEI UND DIE ARBEIT HAT MICH WIEDER

Seit letzter Woche kann ich endlich wieder arbeiten.

Der Streik wurde mehr oder wenig erfolgreich beendet und die Kinder lernen jetzt wieder.

Es war schön, alle nach fast 3 Wochen wiederzusehen.


Heute hat unsere "deutsche" Woche begonnen.

Jeden Tag stellen wir einer Klasse unser Land, unsere Kultur und deutsche Besonderheiten vor.

Bald folgen dazu noch mehr Informationen und Fotos!


EIN GALILEO BERICHT ÜBER DAS KOLUMBIANISCHE SCHULSYSTEM


PARO NACIONAL INDEFINIDO DEL MAGISTERIO

NATIONALER UNBEFRISTETER STILLSTAND (ARBEITSLOSIGKEIT) DES LEHRAMTS




Schon seit ca. 2 Monaten ist fast jeden Donnerstag die Schule ausgefallen, da die Lehrer Streiks durchgeführt haben.

Ihre Forderungen wurden jedoch bis heute nicht ernst genommen und umgesetzt, deswegen haben sie ab Mittwoch den Lehrdienst in ganz Kolumbien auf unbefristete Zeit eingestellt.

Betroffen sind nur die staatlichen Schulen und es liegt im Ermessen jedes einzelnen Lehrers, ob er am Streik teilnehmen möchte oder den Unterricht weiteführt.

In meiner Schule streiken alle Lehrer.







Was sind die Forderungen?

  - gerechte Bezahlung

  - neues System der Beförderung

  - bessere gesundheitliche Absicherung

  - Respekt des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit
    der Lehrer

  - Erhalt der Vorschule
  - etc.


Ich hoffe, dass der Schulbetrieb schnell wieder aufgenommen wird.

Bildung ist vor allem hier so unglaublich wichtig.


Während der Streiks arbeite ich für unsere Organisation im Büro.
Ich übersetze Texte und schreibe Untertitel für Videos.


TAG DER SPANISCHEN SPRACHE UND TAG DER ERDE

Dienstag wurde ich von Laurien in ihre Schule (Vorschule,1. & 2.Klasse) eingeladen. Dort wurde eine kleine Festveranstaltung zum Tag der spanischen Sprache (zur Ehrung von Miguel de Cervantes) und dem Tag der Erde organisiert.

Die Kinder präsentierten Lieder, kleine Theaterstücke und Tänze.

Laurien, beispielsweise, hat mit einer Vorschulklasse "Bruder Jakob" in Spanisch, Englisch und Deutsch eingeübt.



PLATZ IN MEINEM HERZ

Nach dem tollen Urlaub mit meiner Familie war heute wieder mein erster Arbeitstag.
Auch die Kinder hatten eine Woche Osterferien, mussten jedoch schon Montag wieder in die Schule.
Heute wurde ich so herzlich und liebevoll von meinen Kindern empfangen, dass ich Tränen in den Augen hatte.
Es kamen Kinder, welche mich noch nie vorher umarmt hatten, um mir zu sagen, wie glücklich sie seien, dass ich wieder da bin.

Sie hatten Angst, dass ich mit meiner Familie nach Deutschland geflogen bin und sie mich nicht wieder sehen können.


Mein Lehrer begrüßte die Klasse heute mit: "Hier habt ihr eure Johanna gesund und munter wieder. ", denn er meinte später zu mir, dass die Kinder sehr besorgt waren, wo ich denn stecke.


Diese Liebe, die ich jeden Tag auf der Arbeit spüren kann, gibt so viel Kraft.
Meine Schüler sind einfach die Besten!!!


WAS DENKT IHR?

Da ich euch mit meinem Blog an meinem Leben hier teilhaben lassen möchte, werde ich mit euch jetzt eine Situation teilen, welche mir schon den ganzen Tag Kopfzerbrechen bereitet:

 

Mein Englischlehrer musste heute spontan zu einer Besprechung und hat mich gefragt, ob ich die Klasse in dieser Zeit alleine übernehmen kann.
In der folgenden Stunde war ich also mit der 3. Klasse (33 Kinder) alleine.
Der Lehrer wollte, dass die Kinder die Zahlen von 1 bis 30 abschreiben und die Aussprache mit mir üben.
Ja, zugegebenermaßen ein sehr trockenes Thema, dass wohl keinem Kind so viel Spaß macht.
Von Anfang an war es schwierig die Aufmerksamkeit der Kinder auf mich lenken zu können.
Jegliche Versuche die Zahlen mit ihnen gemeinsam aufzuschreiben und auszusprechen scheiterten.
Einige wenige wollten mitarbeiten, der Großteil der Klasse war jedoch damit beschäftigt lautstark sich zu unterhalten, mit Spielzeugen zu spielen oder durch den Raum zu rennen.
Einige Jungen begannen sogar zu kämpfen.

Ich werde auch nach all den Wochen noch nicht als "ganze Lehrerin" wahrgenommen. Mein Spanischniveau und mein Alter tragen sicherlich dazu bei.

 

Ich wollte jedoch darum kämpfen ernst genommen zu werden und habe deswegen keinen anderen Lehrer gerufen oder Kinder ins Direktoriat geschickt.

 

Schlussendlich entschied ich, dass kein Kind in die folgende große Pause gelassen wird, dass nicht wenigstens zwei Drittel der Zahlen abgeschrieben hat.
40 Minuten für 20 Worte schienen mir mehr als machbar, wenn man sich auf seine Arbeit konzentriert.

Als die Klingel ertönte wollten alle gehen. Meine Drohung hatte keiner ernstgenommen.

Ich stellte mich vor die Tür und schaute mir von jedem Kind das Heft an und es durften wirklich nur die in die Pause, die fertig waren.
Viele versuchten mich anzulügen oder sich heimlich aus der Klasse zu schleichen, doch ich hatte das Gefühl, dass ich diesmal konsequent bleiben muss, um mir wieder ein Stück mehr Respekt zu erarbeiten.

Fast die komplette Klasse saß die ganze Pause.
Ein schlechtes Gewissen machte sich breit und auch der Zuspruch meiner Kollegen für mein Verhalten änderte dieses Gefühl nicht.

 

Bin ich zu streng und zu konsequent gewesen?

 

Die restlichen Stunden kamen immer wieder Schüler zu mir, um sich zu entschuldigen für ihr Verhalten...

 

Ich weiß nicht ob mein Verhalten richtig war.
Leider habe ich nie gelernt was pädagogisch richtig ist und kann mich auch nicht mehr daran erinnern, wie wir damals in der 3. Klasse behandelt wurden.
Ich habe nur die Möglichkeit nach Gefühl zu entscheiden, wie ich mich verhalten sollte.

Es ist nicht leicht die Balance zwischen Lehrerin, jedoch auch Freundin der Kinder zu finden.


FREIWILLIGER ENGLISCHUNTERRICHT

Seit meinem ersten Monat in meiner Grundschule biete ich freiwillige Englischstunden an.

Jeden Montag und Donnerstag kommen interessierte Kinder eine Stunde in den zusätzlichen Unterricht.

Anfangs haben Laurien und ich zusammen die Gruppe geleitet, jedoch wurden es immer mehr Kinder, sodass wir bald die Gruppe teilen mussten.

Mittlerweile ist die Anzahl so gewachsen, dass wir die Schüler sogar auf 2 unterschiedliche Tage aufteilen mussten.


Mir ist es wichtig, dass der freiwillige Unterricht Spaß macht, die Kinder aber auch etwas lernen.

Wir beginnen meist mit etwas, was den Kindern Spaß macht (z.B.: UNO auf Englisch), danach folgt mein Teil: Grammatik oder neue Vokabeln.

Die Stunde beenden wir immer mit einem englischen Lied, zu dem bestimmte Bewegungen ausgeführt werden müssen.


ENTWICKLUNG

2. Arbeitswoche:


"Johanna, ich muss heute eine halbe Stunde früher gehen. Könntest du die Klasse für diese kurze Zeit alleine übernehmen?", fragte mich der Englischlehrer in der letzten Schulstunde.

Ich hatte Respekt vor dieser Aufgabe, denn ich hatte weder etwas vorbereitet, noch lief es mit dem Sprachverständnis so optimal.

Trotzdem antwortete ich mit "ja", denn ich möchte eine Hilfe für meine Kollegen sein und Unterstützung, dort wo ich gebraucht werde.


Der Lehrer verlässt den Raum und ich bin mit knapp 40 4.Klässlern alleine in der letzten Stunde an einem Freitag.

Ich versuchte, wie der Lehrer mit vorgeschlagen hatte, leichte Vokabeln auf Englisch abzufragen.

Das beschäftigte jedoch nur 2 Schüler.

Es wurde immer lauter, die Kinder hielt nichts mehr auf ihren Stühlen.

Ich dachte mir, dass ein Spiel helfen würde, die Kontrolle zurück zu gewinnen ... aber nein.

Die Kinder schlugen mir ein Spiel vor, welches die Stimmung noch mehr erhitzte und den Lautstärkepegel noch mehr nach oben riss.


3 Minuten später wurde mir keine Beachtung mehr geschenkt.

Jegliche Versuche für Ruhe zu sorgen scheiterten.

Ich resignierte, saß auf meinem Stuhl und fühlte mich machtlos und wie eine Versagerin.


Als die Stunde endlich vorbei war, verließ ich schnell das Schulgebäude. Laurien empfing mich schon mit der Frage, was denn passiert sei und da konnte ich mich nicht mehr zusammen reißen ... weinend erzählte ich ihr von meiner letzten Stunde.



5 Monate später:


Ich bekomme 22.30 Uhr eine Nachricht auf mein Handy, dass der Englischlehrer morgen fehlen wird und ich alle Klassen übernehmen soll.

Zu spät um etwas vorzubereiten ...

Doch mittlerweile weiß ich besser, wie ich mit den Kindern umgehen muss.

Ich habe mehr Geduld und nehme die Unruhe nicht persönlich.

Ich kann mich mittlerweile mit den Kindern gut verständigen und sie sehen mich mittlerweile mehr als Respektsperson als damals an.


Der Tag war, ohne Frage, anstrengender als meine üblichen Arbeitstage, aber trotzdem war es schön.

Die Kinder haben etwas gelernt und auch ich habe wieder dazu gelernt.



Man wächst mit seinen Aufgaben und darf nie aufgeben, sondern muss bereit sein zu lernen und den Dingen Zeit zu geben.

Nicht alles klappt gleich beim ersten Mal!


VALENTINSTAG

Der Valentinstag ist in Kolumbien ein nicht so bekannter Tag wie in Deutschland oder den USA. Grund dafür ist, dass die Gehälter hier am 15. und 30. eines jeden Monats ausgezahlt werden. Folglich haben am Valentinstag, 14. Februar, viele Menschen kein Geld für Geschenke oder Unternehmungen mit dem liebsten.

Wichtiger ist der "Tag der Liebe und Freundschaft", welcher im September gefeiert wird.


Da meine schule jedoch eine bilinguale Schule ist, wurde nach Vorbild der USA der Valentinstag gefeiert.

Alle Kinder bastelten am Vortag Valentinskarten, welche dann an einen Klassenkameraden oder Lehrer geschenkt wurden.

Viele Kinder haben sich dabei richtig Mühe gegeben und viel Arbeit in die kleinen Geschenke gesteckt.

Es müssen nicht immer riesige Geschenke sein, die eine Freude machen. Ich habe mich über meine Valentinskarte unglaublich gefreut.


In den letzten beiden Stunden schauten wir gemeinsam einen Film an und beendeten damit den "Tag der Liebe".


Liebe ist etwas, dass in Kolumbien eine große Rolle spielt.

Herzlichkeit wird den Kindern mit in die Wiege gelegt. Die Lehrer behandeln die Schüler oft, als wären es ihre eigenen Kinder und man wird einfach fast überall mit offenen Armen empfangen.

Ein Charakterzug Kolumbien, in den ich mich sehr verliebt habe!


Danke an meine Mitfreiwillige Helena für die schönen Fotos von diesem Tag!


GLÜCKSMOMENTE

Meine Stimmung hätte an diesem Mittwochmorgen nicht schlechter sein können.

Ich habe keine Erklärung dafür, aber es schien einfach nicht mein Tag zu sein.

Schweigend verbrachten Laurien und ich die 1-stündige Busfahrt.


"Johanna, du siehst heute so schön aus.", begrüßte mich eine Schülerin und entlockte mir damit das erste Lächeln des Tages.

Ich verbrachte die ersten Stunden in einer der 3. Klassen.

Die knapp 40 Schüler sollten einen Zettel unterschreiben.

Diese so einfach-klingende Aufgabe dauerte 1,5 Stunden, da es nicht immer leicht war die Namen der Kinder zu verstehen und in der Liste zu finden, die Kinder nicht genau wussten, wie man ihren Nachnamen schreibt und das Unterschreiben einfach erheblich länger dauert, wenn man 4 Namen (2 Vor- & 2 Nachnamen) schreiben muss.

Trotzdem frustrierte mich diese Aufgabe nicht.

Ich habe festgestellt, dass ich in den letzten Monaten bereits viel Geduld gelernt habe.

Ich konnte die Lehrerin unterstützen und ihr Arbeit abnehmen - ein gutes Gefühl.


In der Pause half ich beim Verteilen des Frühstücks und spielte dann unter Anderem mit meinen 2 blinden Schülern Domino.

Danach hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Schülerin.

Sie ist seit Geburt blind. Seit meinem ersten Tag in der Schule ist sie mir ans Herz gewachsen.

An diesem Mittwoch erzählte sie mir, dass sie jetzt nicht mehr ihre 36 festen Freunde (Diese Geschichte erzählte sie mir vor einem Monat.) hat, sondern nun auf der Suche nach einem weißen Freund ist.

"Weißt du Johanna, die Küsse von weißen Jungs schmecken nach weißer Schokolade, deswegen möchte ich einen weißen Freund.", erzähle sie mir mit ernster Stimme und ich konnte nicht anders als lachen.

Sie ist einfach zu süß!


Die Zeit nach der Pause verbrachte ich in der anderen 3. Klasse.

Die Kinder sollten Sudokus mit den Zahlen 1-4 lösen.

Während die Lehrerin sich um die Mehrheit der Klasse kümmerte, hatte ich die Möglichkeit mir Zeit zu nehmen für die Kinder, die Schwierigkeiten mit der Aufgabe hatten.

Die Freude in den Augen der Kinder, wenn sie nach langem Überlegen die richtige Zahl einsetzten und der Stolz mit dem sie mir das fertig gelöste Rätsel zeigten brachte auch mich zum Lächeln.


Als ich zum Stundenende an der Tür stand kamen einige Kinder zu mir und umarmten mich und sagten: "Danke für deine Hilfe."


An diesem Tag verstand ich ganz besonders, was mit der Glückseligkeit gemeint ist, von der wir im Vorbereitungsseminar so oft gehört hatten.

Ich war einfach glücklich und dankbar für das, was ich hier erleben darf!



ENDLICH WIEDER ARBEITEN

Nach über einem Monat war Freitag mein erster Arbeitstag an meiner Schule.

Das frühe Aufstehen fiel mir leichter, als ich gedacht hätte und mein Gefühl an der Bushaltestelle erinnerte mich an den jährlichen ersten Schultag nach den Sommerferien.

Ich habe mir viel für das jetzt beginnende Schuljahr vorgenommen: durch mehr Proaktivität möchte ich eine stärkere Verbundenheit zu meiner Einsatzstelle schaffen. Ich möchte, dass mich meine Arbeit erfüllen wird.

 

In der "großen Schule" (6.-11. Klasse) haben sich alle Lehrer der 3 Schulen zu einer Anfangsversammlung getroffen.

Mit wortwörtlich offenen Armen und Neugier wurden wir von unseren Kollegen empfangen.

"Wie war Weihnachten?" "Wo habt ihr Silvester verbracht?" "Was denkt ihr über die Feria?" "Wie war der Urlaub?"

Nach der Versammlung gehe ich mit den Lehrern meiner Schule in unser Schulgebäude:
Es gibt einige Veränderung: Eine Lehrerin hat die Schule verlassen und dafür sind 2 neue, sehr liebe Lehrerinnen gekommen.
Zusätzlich haben wir jetzt eine neue Mentorin in der Einsatzstelle, welche gleichzeitig die neue Koordinatorin ist.

Veränderungen, welche mich in meinem Vorhaben für das neue Schuljahr unterstützen.

Wir zeigten den neuen Lehrern die Schule und verteilten die Räume an die Lehrer. Jeder Lehrer hat seinen festen Fachraum.

Seit diesem Jahr haben wir ein großes Lehrerzimmer.

 

Schnell sind wir fertig und ich treffe mich mit Laurien in ihrer Schule, um mit ihr ein Wilkommensplakat für die Schüler zu basteln.

 

Montag ging es dann richtig los. Ich habe mich sehr gefreut, meine Schüler wiederzusehen.

Die Koordinatorin stellt mich und die Lehrer allen Schülern und Eltern vor. Es folgen Besprechungen mit den einzelnen Klassen über Verhalten, Materialien etc.

Die ganze Woche wird es noch keinen normalen Unterricht geben und ich werde deswegen in den neuen 3. Klassen sein, da durch einen Lehrerausfall gerade 3 Klassen zu 2 gemacht wurden und jede Lehrerin alleine mit über 40 Kindern ist.

 

Ab Montag beginnt der richtige Unterricht. Ich werde wieder den Englischunterricht unterstützen und Einzelunterricht mit 2 blinden Kindern unserer Schule haben.


WAS MACHE ICH GERADE?

Seit letzter Woche herrscht in meiner Schule nun kompletter Ferienbetrieb.

Lehrer und Schüler befinden sich in den verdienten Weihnachtsferien.

Wir Freiwilligen haben jedoch insgesamt nur 24 Tag Urlaub, weswegen wir in der Ferienzeit trotzdem arbeiten.

Gemeinsam (ca. 10 Freiwillige: der Rest arbeitet in Einsatzstellen, welche keine Ferien haben) bieten wir eine Ferienbetreuung im Colegio de las Aguas an.

Wir spielen, basteln und malen mit den Kindern.

Leider ist die Beteiligung nicht so groß, wie wir es uns erhofft hatten.

Heute, beispielsweise, waren es nur 3 Kinder.

Trotzdem haben wir Spaß und versuchen den Kindern einen tollen Vormittag zu schaffen.


Wenn besonders wenig mit den Kinder zu tun ist, gehen wir abwechselnd in ein anderes Gebäude auf dem Gelände, dessen Wände verputzt werden müssen.

So lernt man selber was fürs Leben, denn eine Wand habe ich in Deutschland noch nie verputzt.


GRADUACIÓN DER TRANSICIÓN

Freitag war der große Tag für die Schüler der Transición gekommen.

Sie hatten "Día de la Graduación".

Nach den Ferien starten sin in der 1.Klasse in den Schulalltag.


Laurien und ich halfen erst mit das Essen für die Gäste und Schüler vorzubereiten und konnten dann bei der Zeremonie zusehen.

Nach einer Rede der Direktorin und dem Singen der Schulhymne bekamen die 5 und 6-jährigen ihre Zeugnisse und gegebenenfalls Auszeichnungen für Fleiß, Pünktlichkeit und vorbildliches Verhalten im Unterricht.


Der Stolz war den Eltern und den Kindern in den Augen abzulesen.


ÜBERRASCHUNGS-AUSFLUG IN DEN ZOO

Nachdem die komplette Woche kaum Kinder in der Schule waren und wir unsere Zeit größtenteils damit verbracht haben den Lehrern (bei beispielsweise englischen Übungen) zu helfen, hatten wir keine großartigen anderen Erwartungen an den Donnerstag.

Wir kamen in meiner Schule an und es war NIEMAND da.

Also sind wir in das Hauptgebäude gegangen, in dem zu unserer großen Verwunderungen, sehr viele Schüler aller Altersstufen mit ihren Eltern warteten.

"Geht ihr auch mit in den Zoo?", wurden wir begrüßt.

Laurien und ich schauten uns nur verwundert an, denn niemand hatte uns erzählt, dass ein Zooausflug als Belohnung für die Klassenbesten anstand.

Da wir mittlerweile aber schon Spontanität gewohnt sind, entschieden wir uns mitzufahren.

Wir starteten mit einer Stunde Verspätung, was aber keinen zu stören schien - in dieser Hinsicht muss ich echt noch an mir arbeiten ;)

Auch vor dem Eingang war warten angesagt.

Mehrere Tourguides begleiteten uns in kleineren Gruppen durch den Zoo, welcher sehr schön und modern angelegt ist.

Highlight war der weiße Tiger.

Anders als in den meisten deutschen Zoos gab es kaum große Tiere (keine Elefanten, Giraffen), dafür Löwen, Tiger, viele Affen und einheimische Tiere.

Laurien und ich konnten ein wenig unseren spanischen Tierwortschatz aufbessern und wir hatten eine lustige Zeit mit den Kindern.


Leider hatte ich, da ich nicht wusste dass der Zoobesuch anstand, keine Kamera dabei.
Die Fotos hat mir eine Lehrerin zugeschickt.
Es war ein toller Tag und eine Abwechslung zu den Aufgaben der vorhergegangenen Tage.


http://www.zoologicodecali.com.co/index.php



DAS KOLUMBIANISCHE SCHULSYSTEM

Ich nutze den letzten Schultag von diesem Schuljahr als Anlass, euch etwas über das Schulsystem hier in Kolumbien zu erzählen:


Das Schuljahr endet im November und beginnt wieder im Januar.
Die Ferien im "Winter" sind mit den Ferien im "Sommer" (Juni, Juli) die wichtigsten und längsten Ferien.

Eine Woche haben die Kinder noch zu Ostern frei und sonst wird der Schulalltag durch die vielen Feiertage sehr aufgelockert.


Die Eltern haben hier, wie in Deutschland, die Möglichkeit die Kinder in den Kindergarten zu schicken. Das kolumbianische Wort dafür ist "jardín", übersetzt "Garten". Es ist den Eltern überlassen, wann sie ihre Kinder dorthin schicken müssen. Üblicherweise beginnen sie aber mit 3 oder 4 Jahren.

Einige Kinder besuchen davor den "pre-jardín", die Kinderkrippe.
Für beide Einrichtungen müssen die Familien zahlen.


Danach befinden sich die Kinder in der Phase der "Transición" (Übergang).

Transición ist verpflichtend. Die Kinder, die davor nicht Krippe oder Kindergarten besucht haben, müssen einen Test machen, ob sie schon für die Transición "geeignet" sind.

Die Kinder beginnen diese Phase circa mit 5 Jahren.


Danach beginnt die Schule richtig. Die "Educación básica Primaria" ist von Klasse 1 bis Klasse 5 .
Die Unterrichtsfächer sind vergleichbar mit denen in Deutschland, wenn auch die Unterrichtsmaterialien und die Anzahl der Lehrer nicht im Ansatz zu vergleichen sind.

Natürlich gibt es hier große Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Schulen.

Übrigens muss man auch für die öffentlichen Schulen zahlen, auch wenn es bei vielen Schulen nur ein sehr kleiner Betrag ist.


Nach den 5 Jahren befinden sich die Schüler in der "Educación básica Secundaria". Es gibt nach der Grundschule keine Aufteilung, sondern alle, die weiter lernen wollen und können, besuchen anschließend die selbe Schulform.

In der 11. Klasse ist die Schulzeit beendet und die Schüler bekommen ein Zeugnis, welches ihnen den Eintritt in Uni oder das Arbeitsleben ermöglicht.

Leider gibt es viele Kinder, die keine Schule oder nur die Grundschule besuchen oder besucht haben.


Die reguläre Zeit an der Uni beträgt hier 5 Jahre, also 10 Semester.


In allen Schulformen gibt es Benotung in Punkten von 0 bis 5, wobei es auch Komma-Stellen gibt.

5 ist das Beste und 0 folglich das schlechteste.

Am Ende des Jahres entscheiden deine Noten und das Verhalten darüber, ob man für das nächste Schuljahr zugelassen wird.
Alles unter 3,0 gilt als durchgefallen.

Schüler, bei denen sich die Lehrer noch unsicher sind, müssen in der ersten Ferienwoche in die "Recuperación". Sie haben in dieser Woche nur Unterricht in den Problemfach- bzw. Fächern.

Wenn sie dieser Woche gut und engagiert absolvieren, dann bleiben sie nicht sitzen.


Ich werde nächste Woche in der "Recuperación" helfen und hoffe, dass so viele Kinder wie möglich es schaffen!



BILINGUALER TAG - DÍA BILINGÜE

Die letzten 2 Wochen habe ich mit meinen Kindern auf diesen Tag hingearbeitet. Täglich haben wir an der Aussprache und der Präsentation der englischen Reime und Texte gearbeitet.
Schon am Vortag waren die Kinder super aufgeregt.

Der bilinguale Tag wurde von allen Lehrern gemeinsam vorbereitet.
Jeder hat für sein Fach etwas auf englisch vorbereitet: Buchstabier-Wettbewerb, englische Textaufgaben, Informationen über Kolumbien auf Spanisch usw.
Highlights waren natürlich die Modenshow mit selbstgebastelten Kostümen und der Vortrag der Reime.
Ich muss sagen, dass ich sehr stolz auf meine Kids bin.
Sie haben sich echt ins Zeug gelegt!

 

Helena, eine Mitfreiwillige, welche im Büro meiner Organisation arbeitet, hat mich begleitet, um Fotos von diesem außergewöhnlichen Tag zu machen.
Danke für die tollen Bilder!

Mauren ist seit ihrer Geburt blind. Hier schreibt sie mir gerade eine Karte in Blindenschrift.
Mauren ist seit ihrer Geburt blind. Hier schreibt sie mir gerade eine Karte in Blindenschrift.

EIN PAAR FOTOS

Jeden Tag vor Begínn des Unterrichts müssen sich die Kinder in Reihen - geordnet nach Mädchen und Junge und Klassenstufe - aufstellen und betreten dann klassenweise die Räume (jede Klasse hat einen festen Raum)
Jeden Tag vor Begínn des Unterrichts müssen sich die Kinder in Reihen - geordnet nach Mädchen und Junge und Klassenstufe - aufstellen und betreten dann klassenweise die Räume (jede Klasse hat einen festen Raum)
Der Essensraum: Hier bekommen die Kinder Frühstück (Reis & Bohnen, Milchreis mit Käse, usw.)
Der Essensraum: Hier bekommen die Kinder Frühstück (Reis & Bohnen, Milchreis mit Käse, usw.)
"DESCANSO" - Die große Pause nach der 3. Unterrichtsstunde
"DESCANSO" - Die große Pause nach der 3. Unterrichtsstunde

Bald schreibe ich euch etwas über das kolumbianische Schulsystem.
Ich bin schon auf Recherche ;)


LANGSAM FINDET SICH ALLES

Meine 2. Arbeitswoche liegt jetzt hinter mir.
Aufgrund von Schulferien habe ich die vorletzte Woche in den "Talleres de las Aguas" verbracht.
Dort habe ich viel Zeit bei dem Taller "Bauen mit Bambus" verbracht.
Es war eine entspannte Zeit, da auch im Colegio de las Aguas keine Kinder waren und es deswegen kaum etwas zu tun gab.
Umso mehr habe ich mich wieder auf meine Arbeit gefreut, die erst am Dienstag anfing, da Montag Feiertag* war.

 

*In Kolumbien ist es so, dass wenn ein Feiertag auf den Samstag oder Sonntag fällt, wird er auf Montag oder Freitag verschoben.
Deswegen gibt es hier unglaublich viele verlängerte Wochenenden, die sich super für Kurzreisen anbieten.
Diese Regelung sollten wir in Deutschland auch mal einführen ;)

 

Ab Dienstag waren Laurien und ich dann in unterschiedlichen Schulen eingeteilt.
Ich werde nun das Jahr in der Schule "San Jose" arbeiten, in der die Klassen 3-5 unterrichtet werden.
Es gibt pro Klassenstufe 2 Klassen.
Mit dem Englischlehrer habe ich die ganze Woche die Kinder auf den "Bilingualen Tag" in der Schule am 28.10. vorbereitet.
Die 3. und 4. Klässler lernen englische Kurzgedichte, wie zum Beispiel:
"Roses are red. Violets are blue. Sugar is sweet and so are you."
Die Kinder der 5. Klasse werden eine Modenshow präsentieren mit selbstgebastelten Kostümen, die sie in englisch beschreiben sollen.

 

Ich habe also täglich mit jeweils 10-15 Kindern pro Stunde englische Aussprache geübt und Texte übersetzt.
Das kostet viel Geduld, eine laute Stimme und Motivationsvermögen.
Die Arbeit wird jedoch belohnt, wenn die Kinder mir strahlend und stolz selbst in den Pausen ihre auswendig gelernten Gedichte vortragen.
Eine Klasse hat für mich die komplette Tafel mit lieben Sätzen beschrieben. "Wir lieben dich so sehr." "Wir freuen uns, dass du hier bist." usw..
Das macht sehr glücklich.

 

In dieser Woche haben wir nun auch endlich gelernt, wie wir mit dem Bus hin und zurück kommen. (Die erste Woche wurden wir immer abgeholt.)
Die Hinfahrt dauert eine Stunde. Wir fahren mit dem MIO, welches der modernere Bus ist. Leider müssen wir 2 mal umsteigen und deswegen jetzt täglich um 5 Uhr aufstehen.
Zurück kommen wir mit einem kleineren Bus, welcher nur 20 Minuten unterwegs ist.

 

Ab nächster Woche werden Laurien und ich nach dem Unterricht freiwilligen Englischunterricht anbieten.
Ich freue mich sehr darauf mit den Kindern zu arbeiten, denn sie haben so unglaublich viel Potential.


  1. DÍA DE LA FAMILIA

 

Schon beim ersten Treffen erzählte uns unsere Mentorin vom "Tag der Familie" - ein großes Fest aller 3 Schulen mit Tanz, Musik, Essen und Bingo. Die Kinder freuten sich sehr, als sie erfuhren, dass Laurien und ich auch bei dem Fest dabei sind. Sie wollten uns ihre Eltern und Geschwister vorstellen.

Samstag um 10 Uhr wurden wir von Carmenzas Mann abgeholt.
Alle anderen Freiwilligen mussten zu einem Arbeitseinsatz am Colegio de las Aguas schon morgens halb 8.
Von Lehrern und Schülern wurden wir nett begrüßt. Laute, kolumbianische Musik tönte über das gesamte Gelände.
Die Stimmung war von Anfang an toll. Es duftete nach Essen, welches unter anderem über offenen Feuer erwärmt wurde.
Auch auf dem Sportplatz war viel los, da ein Fußballturnier ausgetragen wurde.
Das Fest begann mit Auftritten der Salsagruppen der Schule.
Es ist der absolute Wahnsinn wie schnell dieser Tanz ist.
Nach den Vorführungen schauten wir uns auf dem ganzen Gelände um und kamen immer wieder mit Lehrern, Kindern oder Eltern ins Gespräch.
Viele wollten sogar Fotos mit uns machen ;)
Wir probierten das Essen und die Säfte.
Gleichzeitig spielten auf der Bühne nacheinander verschiedene Bands.
Viele tanzten und sangen mit. Alle waren glücklich und ausgelassen.
Das ist, was ich schon jetzt so an Kolumbien liebe.
Diese Lebensfreude ist unbeschreiblich!






WIE WAR DIE ERSTE WOCHE?

Der Englischlehrer blieb für den Rest der Woche krank.
Laurien und ich übernahmen also mit Carmenza oder alleine die Englischstunden der Klassen.
Plötzlich standen wir ohne Unterrichtskenntnisse und mit noch mangelnden Spanischkenntnissen vor fast 40 Kindern.
Mit Liedern, Spielen und Bildern machten wir mit den Kindern Unterricht.
Gleichzeitig brachten sie uns die spanischen Bezeichnungen bei.
Ich spüre wie man immer mehr in die Sprache kommt. Stück für Stück wird es leichter die Kinder zu verstehen, auch wenn wir momentan noch oft sagen müssen: "Bitte sprecht langsamer und nicht alle auf einmal."

Wir bekommen in der Schule immer Frühstück und Mittag, manchmal sogar eine Zwischenmahlzeit.
Reis und Hühnchen gehören zu den Hauptbestandteilen des Essens.

 

Nächste Woche fällt die Schule für alle Kinder aus, da die Lehrer Besprechungen haben. Alle Freiwilligen, die in Schulen beschäftigt sind, werden in der Woche im Colegio de las Aguas in den Ausbildungsstätten oder auf dem Bau (einer großen Halle aus Bambus) helfen.


DIE ERSTEN BEIDEN ARBEITSTAGE

"Alemanes, Alemanes" riefen die Kinder als Laurien (eine Mitfreiwillige, die in der selben Schule wie ich arbeitet) den Schulhof das erste Mal betreten haben. Die Kinder waren sofort sehr offen und interessiert und begannen uns mit Fragen zu löchern.
"Seid ihr wirklich Deutsche?"
"Seid ihr froh, dass Deutschland Weltmeister ist?"
"Seid ihr Schwestern?" (Laurien und ich haben nur die selbe Hautfarbe)
"Sag mal ... auf Englisch und auf Deutsch!"
"Sprechen auch kleine Kinder Deutsch?" usw usw
Carmenza, unsere Mentorin, stellte uns einige Lehrer vor und zeigte uns das Schulgebäude.
Jede Klasse hat einen Klassenraum (3. Klasse - 5. Klasse). Zusätzliche gibt es einige Fachräume, wie beispielsweise einen Computerraum.

 

Nach den ersten Eindrücken zeigte Carmenza uns die weiterführende Schule und danach die Schule für die kleineren Kinder
(Vorschule - 2.Klasse).
Bei den kleineren Kindern durften wir in unserer ersten Englischstunde dabei sein und die Lehrerin spontan ein wenig unterstützen.

Noch ist unser Stundenplan noch nicht fertig, aber wie es scheint werden wir mal an der Schule für die älteren Grundschulkinder sein und mal in der Schule der Kleinen.

Heute, am 2. Arbeitstag, waren wir in 3 Klassen um mit Carmenza eine spontane Unterrichtsstunde zu gestalten, da die Englischlehrerin krank war.
Unsere Aufgabe bestand darin den Kindern die richtige Aussprache der Wochentage, Monate, Zahlen und Körperteile zu zeigen.
Man spürt sehr deutlich, dass der Englischunterricht in Kolumbien noch nicht eine so hohe Priorität hat wie in Deutschland. Jedoch glaube ich, dass die Kinder Potential haben. Sie sind lernfähig und interessiert.
Ich freue mich schon jetzt auf nächste Unterrichtstunden und Erfolge der Kinder.
Nach den Englischstunden haben Laurien und ich uns in den Hof gesetzt und es kamen immer wieder Kinder, die sich mit uns unterhalten wollten.
Einige Mädchen wollten mir unbedingt Zöpfe flechten, da sie die "blonden" Haare so toll finden.
Überall wurden wir mit offenen Armen empfangen - was für ein tolles Gefühl!

 


WAS ICH BIS JETZT WEIß


Hier sind die ersten Informationen, die ich von meiner Entsendeorganisation über meine Einsatzstelle bekommen habe.

Persönliche Informationen, Eindrücke und Fotos folgen in wenigen Wochen. 

Ich habe ein positives Bauchgefühl und hoffe, dass dieses bestätigt wird!